Leinefelde. Mitten in der Leinefelder Südstadt entsteht zur Landesgartenschau ein Ort, der überrascht, inspiriert und neugierig macht: der Blumenblock in der Bachstraße 15 bis 23. Das ehemalige Mietswohnhaus der Leinefelder Wohnungsbau Genossenschaft eG (LWG), errichtet Ende der 1980er Jahre in Plattenbauweise, wird für die Zeit der Gartenschau zu einem außergewöhnlichen Ausstellungszentrum. Als Teil des Kerngeländes im Bezahlbereich verbindet der Blumenblock Floristik, Kunst, Geschichte und regionale Themen zu einem vielschichtigen Rundgang durch fünf Etagen.
Vom Leerstand zum Erlebnisraum
Der Plattenbau ist leergezogen und entkernt, Strom und Wasser sind vorhanden. Für temporäre Ausstellungen wird das Gebäude gezielt umgebaut: Das Kellergeschoss wird zum Eingangsbereich, zwei Treppenhäuser dienen als Ein- und Ausgang sowie als Flucht und Rettungswege. Ein Fahrstuhl wird angebaut, überflüssige Zwischenwände werden entfernt, Durchbrüche ermöglichen Rundgänge auf den einzelnen Etagen. So entsteht ein klarer Besucherfluss durch insgesamt 1883 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verteilt auf fünf Ebenen mit jeweils rund 377 Quadratmetern. Balkone auf der Südseite geben dem Gebäude zusätzlich eine besondere Kulisse und eröffnen neue Blickachsen.
Blumenhalle im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss
Das Herzstück des Blumenblocks liegt gleich zu Beginn: Floristinnen und Floristen unter Federführung von Creativ aus Kindelbrück verwandeln Erdgeschoss und 1. Obergeschoss in eine außergewöhnliche Blumenhalle im Plattenbau. Insgesamt zwölf wechselnde Blumenausstellungen geben dem Blumenblock einen Rhythmus, der den Besuch immer wieder neu macht. Jede Schau erzählt ein eigenes Thema und setzt auf Inszenierung, Atmosphäre und überraschende Kontraste.
Termine und Themen der Blumenausstellungen
- 23.04. bis 03.05.: Entstehen und Vergehen
Die Ausstellung thematisiert den natürlichen Kreislauf von Wachstum, Blüte, Reife und Zerfall. Florale Gestaltungen machen zeitliche Prozesse sichtbar und zeigen Vergänglichkeit als festen Bestandteil von Natur und Gestaltung.
- 07.05. bis 17.05.: Abstrakt und Konkret
Floristische Arbeiten bewegen sich zwischen gegenständlicher Lesbarkeit und abstrakter Formensprache. Farbe, Struktur und Material lösen sich teilweise von der Pflanze als Objekt und werden als gestalterische Elemente eingesetzt.
- 21.05. bis 31.05.: Romantik und Distanz
Im Fokus stehen florale Kombinationen zwischen Harmonie und bewusster Irritation. Klassisch zusammenpassende Blüten treffen auf ungewöhnliche, kontrastreiche Pflanzenpartner. Die Ausstellung untersucht Nähe, Spannung und Distanz durch Farbe, Struktur und Materialwahl.
- 04.06. bis 14.06.: Klang und Stille
Florale Gestaltungen werden mit musikalischen Elementen kombiniert. Unterschiedliche Klangwelten – von klassischer Musik bis zu elektronischen Kompositionen – beeinflussen Raumwirkung und Wahrnehmung der Installationen und schaffen wechselnde atmosphärische Ebenen.
- 18.06. bis 28.06.: Design und Klassisch
Die Ausstellung setzt auf florale Installationen statt klassischer Blumenbilder. Pflanzen werden als gestalterisches Material genutzt, um klare Linien, Formen und Raumstrukturen zu erzeugen. Klassische Floristik und modernes Design begegnen sich auf einer konzeptionellen Ebene.
- 02.07. bis 12.07.: International und Heimat
Gestalterische Einflüsse aus verschiedenen Kulturen treffen auf regionale Pflanzen, Materialien und handwerkliche Traditionen. Die Ausstellung stellt globale Vielfalt der Floristik der lokalen Identität gegenüber und verbindet beides zu einem gemeinsamen Bild.
- 16.07. bis 26.07.: Illusion und Realität
Durch Spiegelungen, perspektivische Effekte und inszenierte Räume werden Wahrnehmung und Wirklichkeit bewusst hinterfragt. Florale Installationen erzeugen Irritationen und laden dazu ein, Realität neu zu interpretieren.
- 30.07. bis 09.08.: Monoton und Vielfältig
Serielle Strukturen und Wiederholungen stehen der natürlichen Vielfalt von Pflanzen gegenüber. Kleine Unterschiede in Farbe, Form und Struktur werden sichtbar gemacht und lenken den Blick auf Details innerhalb scheinbarer Gleichförmigkeit.
- 13.08. bis 23.08.: Fruchtbar und Öde
Üppige, lebensreiche Pflanzungen kontrastieren mit kargen, reduzierten Flächen. Die Ausstellung thematisiert natürliche Ressourcen, Bodenfruchtbarkeit und den verantwortungsvollen Umgang mit Natur im Kontext menschlicher Nutzung.
- 27.08. bis 06.09.: Mystisch und Rational
Atmosphärisch dichte, geheimnisvolle Inszenierungen treffen auf klare Strukturen und nachvollziehbare Ordnungssysteme. Die Ausstellung zeigt Natur sowohl als emotionales Erlebnis als auch als rational begreifbares System. - 10.09. bis 27.09.: Modern und Tradition
Zeitgenössische Gestaltungsansätze werden mit traditionellen floristischen Techniken und kulturellen Bezügen kombiniert. Vergangenheit und Gegenwart treten in einen gestalterischen Dialog und verdeutlichen die Weiterentwicklung des floristischen Handwerks. - 01.10. bis 11.10.: Begegnung und Trennung
Den Abschluss bildet eine kraftvolle Inszenierung zum Ende der Gartenschau. Die Ausstellung blickt auf die Blumenhalle als Ort der Begegnung zurück und thematisiert zugleich Abschied und Übergang. Sie macht deutlich, dass jedes Ereignis endet – die entstandenen Erinnerungen jedoch bestehen bleiben.
Damit wird der Blumenblock zu einem Ort, der nicht nur Blüten zeigt, sondern Ideen und Gegensätze sichtbar macht: Nähe und Spannung, Stille und Klang, Tradition und Zeitgeist. Wer einmal da war, hat einen guten Grund wiederzukommen.
2. Obergeschoss: Handwerk, Bildung, Geschichte und Gemüse zum Mitmachen
Eine Etage höher wird es handfest, lehrreich und regional. Die Gartenzwergmanufaktur Gräfenroda richtet eine Zwergenwerkstatt ein. Der Landesverband Gartenbau Thüringen e.V. zeigt eine Ausstellung zu Grünen Berufen und rückt Ausbildung, Fachkräfte und Zukunftsperspektiven im Gartenbau in den Fokus. Ein weiterer Höhepunkt ist der Beitrag der Stiftung Deutsches Gartenbaumuseum Erfurt und der ega gGmbH: Unter dem Titel „iga*61. Geschmack und Impulse“ wird an den Beginn der Internationalen Gartenbauausstellung in Erfurt vor 65 Jahren erinnert.
Die Wanderausstellung „Geschmack der Regionen“ des Deutschen Gartenbaumuseums präsentiert den historischen Wandel der traditionellen Obst- und Gemüseraritäten und die aus dem Blick geratenen lokalen Besonderheiten.
Praktisch und nah an der Region wird es in der Gemüse-Aufzuchtstation: Das Fachamt für Öffentlichkeitsarbeit, Tourismus und Kultur (ÖTK) der Stadtverwaltung Leinefelde-Worbis beweist seine grünen Daumen und lädt gemeinsam mit regionalen Erzeugern zu interessanten Workshops ein.
3. Obergeschoss: Kunst trifft Heimat, Platte trifft Gegenwart
Im 3. Obergeschoss öffnet sich der Blumenblock zur Kunst. Bildhauer Christoph Haupt zeigt in seiner Ausstellung „Provinz“ Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien und Installationen. Inhaltlich geht es um Heimat und gesellschaftliche Zwischenräume, um Gegensätze und Zugehörigkeit. Der Ausstellungsort selbst wird Teil der Aussage: Der Plattenbau erhält temporär eine neue Funktion und wird zum Resonanzraum zwischen Urbanisierung und Gegenentwurf.
Ergänzt wird dies durch Projekte von 12 Studierenden der Bauhaus Universität Weimar, die mit künstlerischen Arbeiten ihre eigene Sicht auf das Wohnen in der Platte und die Gartenschau in der Leinefelder Südstadt präsentieren.
4. Obergeschoss: Zeitgeschichte, Weltreisen und DDR-Wohnen
Ganz oben verdichtet sich der Blumenblock zu einem Panorama aus Erinnerung, Abenteuer und Medien. Die Stadtverwaltung Leinefelde-Worbis zeigt eine Ausstellung zur jüngeren Geschichte Leinefeldes, inklusive Exponaten zum Anfassen. Heidi und Bernd Kleine aus Kallmerode nehmen Besucherinnen und Besucher in ihrer Ausstellung „Aus der Leinefelder Garage in die große weite Welt“ mit auf Motorradreisen rund um den Globus, gestartet nach der Grenzöffnung.
Eine Nostalgiewohnung steht unter dem Motto „So wohnten wir in der DDR“ und macht Alltagsgeschichte unmittelbar erlebbar. Ergänzend präsentiert die Bauhaus Uni Weimar ein Videoprojekt zum Thema „Natur“.
Im Film und Vortragsraum, einem von der Leinefelder Wohnungsbaugenossenschaft eG gestalteten Loft, laufen Reportagen über Leinefelde. Zugleich bietet der Raum Platz für Vorträge und Workshops und macht den Blumenblock auch zum Veranstaltungsort.
Ein Besuch, der mehr als Blumen zeigt
Der Blumenblock zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in vertrauten Orten steckt. Aus einem einst leergezogenen Plattenbau entsteht für die Landesgartenschau 2026 ein lebendiger Erlebnisraum, der Floristik, Bildung, Kunst und Stadtgeschichte miteinander verbindet. Raum für Raum entfaltet sich eine besondere Atmosphäre, die überrascht, berührt und zum Verweilen einlädt. Der Blumenblock ist kein klassisches Ausstellungshaus, sondern ein Weg durch Stimmungen, Bilder und Gedanken – ein Ort, der in Erinnerung bleibt und den Blick auf Leinefelde nachhaltig verändert.
„Der Blumenblock lädt dazu ein, stehenzubleiben, genauer hinzuschauen und sich auf neue Eindrücke einzulassen“, sagt Stadtbürgermeister Christian Zwingmann. „Er zeigt, dass die Landesgartenschau 2026 nicht nur im Grünen stattfindet, sondern mitten im urbanen Leben unserer Stadt.“
