Am vergangenen Mittwoch kehrte dieses Echo der Vergangenheit in die Räume des Fachamtes für Öffentlichkeitsarbeit, Tourismus und Kultur zurück. Ehemalige Mitarbeiterinnen der legendären Leinefelder Baumwollspinnerei trafen sich dort, um Schätze zu teilen, die in keinem Geschichtsbuch stehen – ihre persönlichen Erinnerungen.

Ein Mosaik aus Anekdoten und Emotionen
Initiiert wurde dieser besondere Nachmittag von Hannah Uhlmann, Studentin der Bauhaus-Universität Weimar. Ihr Ziel ist es, die flüchtigen Momente und Geschichten der ehemaligen Arbeiterinnen in Audioaufnahmen für die Nachwelt zu bewahren. Bei Kaffee, selbst gebackenem Kuchen und dem Betrachten alter Fotografien wurde schnell klar: Die „Spinne“ war für die Frauen kein bloßer Arbeitsplatz, sie war ein ganzer Kosmos.
Die Erzählungen reichten von amüsanten Alltagsepisoden bis hin zu mutigen Momenten, wie einem „kleinen Aufstand“, über den jahrzehntelang beharrlich geschwiegen wurde. Es entstand das Bild eines Lebens, das von harter Schichtarbeit, aber auch von tiefem Zusammenhalt geprägt war. Ob aus Leinefelde stammend oder täglich mit dem Bus zur Schicht eingefahren – die Frauen meisterten gemeinsam den Spagat zwischen Schwangerschaft, Familie und dem Takt der Maschinen.
Die „Spinne“ als pulsierendes Herz der Stadt
Der Austausch machte deutlich, wie umfassend das Leben auf dem Werksgelände organisiert war. Die „Spinne“ war eine Stadt in der Stadt:
- Versorgung: Eigene Geschäfte mit frühen Öffnungszeiten für die Schichtarbeiterinnen.
- Gesundheit & Freizeit: Medizinische Betreuung, Massagen, Sportstätten und sogar eine eigene Kegelbahn.
- Kultur: Gemeinsame Theaterabende, Tanzabende und Feste, die den harten Alltag vergessen ließen.
„Besonders häufig wurde die starke Gemeinschaft hervorgehoben. Das ist es, was viele bis heute mit dieser Zeit verbinden und was am meisten vermisst wird“, berichtet Hannah Uhlmann. „Für viele Frauen war dieser Ort über Jahrzehnte hinweg ihr Lebensmittelpunkt.“
Aus Erinnerungen wird Kunst: Ausblick zur Landesgartenschau
Die enorme Resonanz auf das Treffen zeigt, wie lebendig die Identifikation mit der ehemaligen Spinnerei noch immer ist. Die gesammelten Geschichten, Tonaufnahmen und Fotos fließen nun in ein künstlerisches Projekt ein.
Zur Landesgartenschau wird die Geschichte der „Spinne“ im Blumenblock wieder greifbar. Dort entsteht ein Ort, an dem Besucher in die Vergangenheit eintauchen können und ehemalige Beschäftigte einen Raum finden, um ihre Identität und ihre Erlebnisse an die nächste Generation weiterzugeben.
Ein herzliches Dankeschön
Zum Abschluss des Treffens fand Hannah Uhlmann bewegende Worte:
„Ich bedanke mich von Herzen bei allen Teilnehmerinnen für ihre Offenheit und das Vertrauen, mir diese sehr persönlichen Erinnerungen anzuvertrauen. Ich hoffe sehr, dass dies nicht das letzte Treffen dieser Art war.“

