Gefälschte intime Bilder, Cyberstalking, Beleidigungen oder Bedrohungen: Gewalt gegen Frauen findet zunehmend auch im digitalen Raum statt. Mit der Kampagne „Schau hin“ ruft Thüringen dazu auf, Betroffene nicht allein zu lassen, sondern aufmerksam hinzusehen und Unterstützung anzubieten. Auch die Stadt Leinefelde-Worbis gehört zu den Partnern der landesweiten Initiative „handle jetzt“.
Mit einem Fachtag unter dem Titel „Gemeinsam gegen digitale und häusliche Gewalt“ in Mühlhausen ist am 2. November 2026 die mittlerweile fünfte Thüringer Kampagne „handle jetzt“ gestartet. Ins Leben gerufen wird sie von den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und der Landesgleichstellungsbeauftragten in Zusammenarbeit mit regionalen Netzwerken gegen häusliche Gewalt.
Unter dem Motto „Schau hin … Gewalt kennt kein Offline!“ richtet sich die diesjährige Aktion insbesondere an Menschen aus dem persönlichen Umfeld von Betroffenen. Freunde, Angehörige, Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen sollen ermutigt werden, nicht wegzusehen, sondern Unterstützung anzubieten. Anlass sind die Aktionstage rund um den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November.
Wenn gefälschte Bilder echte Folgen haben
Digitale Gewalt hat viele Gesichter. Neben sexueller Belästigung, Beleidigungen und Bedrohungen gehören dazu auch Cyberstalking, die unerlaubte Verbreitung intimer Aufnahmen sowie die digitale Überwachung durch aktuelle oder ehemalige Partner.
Eine besonders belastende Form sind sogenannte Deepfakes. Mithilfe künstlicher Intelligenz lassen sich täuschend echt wirkende Bilder und Videos erstellen, die Menschen in Situationen zeigen, die tatsächlich nie stattgefunden haben. Werden Frauen auf diese Weise in sexualisierten Darstellungen gezeigt und solche Aufnahmen verbreitet, kann dies schwerwiegende psychische Folgen haben.
Für Betroffene fühlt sich das mitunter wie eine reale, öffentliche Entblößung an. Scham, Angst, Ohnmacht und das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Bild verloren zu haben, können ihren Alltag massiv beeinträchtigen. Auch wenn die Bilder gefälscht sind, ist das Leid der Betroffenen real.
Hinschauen, zuhören und Unterstützung anbieten
Genau hier setzt die Kampagne an. Wer bemerkt, dass eine Freundin, Bekannte oder Kollegin von digitaler Gewalt betroffen ist, kann bereits mit einfachen Gesten helfen.
Sätze wie „Ich glaube dir“, „Ich weiß, dass das nicht du bist“ oder „Du bist nicht allein“ können Vertrauen schaffen. Ebenso wichtig ist es, konkrete Hilfe anzubieten, beispielsweise bei der Suche nach einer Beratungsstelle oder durch eine Begleitung zur Polizei.
Auch bei der Dokumentation von Vorfällen können Freunde und Angehörige unterstützen. Dazu gehört etwa, Verbreitungswege, Internetadressen und Zeitpunkte der Übergriffe festzuhalten. Bei der Sicherung intimer oder sexualisierter Bildinhalte empfiehlt es sich, fachlichen Rat einzuholen.
Gut gemeinte Aufforderungen wie „Geh doch einfach offline“ oder „Lösch doch dein Instagram“ helfen dagegen häufig nicht weiter. Sie können Betroffene zusätzlich isolieren und ihre gesellschaftliche Teilhabe einschränken.
Wichtig ist deshalb, jede Unterstützung mit der betroffenen Person abzusprechen und nur mit ihrem Einverständnis zu handeln.
Gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt setzen
Die Thüringer Landesgleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer macht deutlich, dass digitale Gewalt keine harmlose Begleiterscheinung der modernen Kommunikation ist. Vielmehr können sich bestehende Formen von Kontrolle, Einschüchterung und Gewalt durch digitale Technologien fortsetzen und verstärken.
Mit der fünften Auflage von „handle jetzt“ setzen der Freistaat Thüringen, zahlreiche Kommunen und regionale Hilfsnetzwerke ihre gemeinsame Aufklärungsarbeit fort. Auch Leinefelde-Worbis beteiligt sich an dieser Initiative. Nach Angaben der Organisatoren wurden mit den bisherigen Kampagnen über verschiedene Medien, Veranstaltungen und persönliche Kontakte bereits mehr als zwei Millionen Kontakte zur Bevölkerung erreicht.
Die zentrale Botschaft bleibt: Gewalt ist keine Privatsache. Betroffene brauchen Schutz, Unterstützung und Menschen, die nicht wegsehen.
Hilfe und Beratung – hier finden Betroffene Unterstützung
Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“
Kostenlose, anonyme und vertrauliche Beratung unter 116 016 – bundesweit, rund um die Uhr und auch für Angehörige sowie unterstützende Personen.
HateAid – Hilfe bei digitaler Gewalt
Informationen, praktische Handlungsempfehlungen und Unterstützung für Menschen, die von digitaler Gewalt betroffen sind.
Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff)
Informationen zu digitaler Gewalt, Beratungsangeboten und Möglichkeiten der Unterstützung.
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/aktionen-themen/bff-aktiv-gegen-digitale-gewalt.html
Handle jetzt! – Hilfe in Thüringen
Die landesweite Plattform bündelt rund 200 lokale und überregionale Beratungs- und Hilfsangebote. Dort finden sich auch Ansprechpartner im Landkreis Eichsfeld.
Schau hin, hör zu und steh Betroffenen bei. Denn Gewalt kennt kein Offline!
Quellen: Medieninformation „handle jetzt 2026“; bff – Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland.
