Die feierliche Eröffnung der Landesgartenschau Leinefelde-Worbis war für viele Menschen ein besonderer Moment. Stadtbürgermeister Christian Zwingmann blickte in seiner Ansprache auf den langen Weg bis zu diesem Tag zurück, würdigte das Engagement zahlreicher Beteiligter und machte deutlich, welche Bedeutung die Gartenschau für die Zukunft der Stadt hat. Nachfolgend die Rede des Stadtbürgermeisters im Wortlaut:
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
der große Tag ist da.
Nach zehn Jahren Vorbereitung stehen wir heute hier und eröffnen die Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis. Fast zehn Jahre Arbeit liegen hinter uns – mit Erfolgen, mit Rückschlägen, mit Entscheidungen, die nicht immer einfach waren.
2016 – da war die Landesgartenschau erstmal nur eine Idee. Gerd Reinhardt, damals noch unser Bürgermeister, fand: Wer zweimal bei einer Weltausstellung dabei war, der kann sich auch für eine Landesgartenschau bewerben. Die Bürger erfuhren davon in einer kurzen Meldung in der Tagespresse. Für viele war das kaum der Rede wert. Für manche eher ein Anlass zum Schmunzeln.
Das passt zu unserer Stadt. Denn oft sind die Dinge, die hier entstehen, am Anfang so ungewöhnlich, dass sie zunächst auf Skepsis stoßen. So wie die Bewerbung als Außenstandort für die Expo 2000 in Hannover. Heute ist unser Stadtumbau weltweit anerkannt und preisgekrönt. Die Ideen des Stadtumbaus hat Gerd Reinhardt bis nach Japan und Südkorea getragen. Und sie sind noch heute aktuell. Denn Großsiedlungen, die mit Rückbau, Umbau und Neubau fit gemacht werden können, gibt es auf allen Kontinenten.
Die Gartenschau hat er selber nicht mehr umgesetzt, den Weg dahin aber aus einem Ruhestand heraus aufmerksam verfolgt. Es war sein Nachfolger Marko Grosa, der gleich nach Amtsantritt gemeinsam mit dem Stadtrat entschieden hat: Doch, wir machen das!
Wesentlichen Anteil daran, dass die Stadt Leinefelde-Worbis mit ihrer Bewerbung tatsächlich erfolgreich war, hatte Bernhard Schwarz vom Büro Sinai in Berlin. Ein städtebauliches Problem sollte die Stadt anpacken und ein Kerngelände festlegen. Das städtebauliche Problem waren mehr als 850 Garagen, und genau hier plante man fortan das Kerngelände.
Die Bewerbung ging 2017 raus, den Zuschlag gab es mit etwas Verzögerung im Herbst 2018.
Und nun begann die eigentliche Arbeit.
Und die hatte es in sich.
Corona hat Abläufe verzögert.
Archäologen haben erfolgreich gegraben.
Zinsen und Baupreise sind gestiegen.
Zeitpläne mussten korrigiert werden – nicht nur einmal.
Es gab zuweilen gute Gründe, an diesem Projekt zu zweifeln.
Aber wir haben unbeirrt weitergemacht.
Und heute sehen wir, warum.
Den ausführlichen Rückblick auf zehn Jahre Vorbereitung überlasse ich unserem Landesgartenschau-Geschäftsführer Stefan Nolte. Mir ist es an dieser Stelle erst einmal wichtig, Danke zu sagen.
Den Thüringer Ministerien, hier insbesondere die Interministerielle Arbeitsgruppe, und dem Landesverwaltungsamt, dem Landkreis Eichsfeld und allen beteiligten Behörden – für eine Zusammenarbeit, die nicht immer einfach war, aber immer sachlich und verlässlich.
An den Stadtrat, der dieses Projekt getragen und auch mal kritisch nachgefragt hat. Das gehört dazu, gerade bei einem Vorhaben dieser Größenordnung.
An unsere Partner – die Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Hessen und Thüringen, die mit uns die Durchführungsgesellschaft gegründet hat. Dank an die grünen Verbände, für die fachliche Expertise, fürs Dranbleiben und fürs auf die Füße treten, wenn nötig.
Dank an unsere Wohnungsgesellschaften, die Stadtverwaltung, deren Mitarbeiter sich ganz neuen Herausforderungen stellten mussten, die Eichsfeldwerke, die Zweckverbände und das Straßenbauamt, die vielen Firmen und Planer, die unsere Aufträge übernommen haben, und viele weitere Partner. Schauen Sie sich um! So ziemlich alle, die heute vor dieser Bühne stehen, haben mitgeholfen, dass wir heute die Landesgartenschau eröffnen.
Herzlichen Dank an unsere Ministerpräsidenten – an Bodo Ramelow, der uns stets den Rücken gestärkt hat, und an Mario Voigt, den neuen Ministerpräsidenten in Thüringen, der sogleich Schirmherr unserer Landesgartenschau ist.
Und ganz ausdrücklich: Danke an die Menschen in dieser Stadt.
Denn sie haben die Belastungen getragen.
Baustellen, Umleitungen, Einschränkungen.
Und sie haben akzeptiert, dass an anderer Stelle manches warten musste.
Das ist nicht selbstverständlich.
Warum machen wir das alles?
Nicht für sechs Monate Blümchenschau.
Natürlich erwarten wir viele Gäste – rund 320.000. Das ist wichtig für die Region, für unsere Hotels, die Gastronomie, den Handel, für alle – die auf dieser Gartenschau ihr Können zeigen - und selbstverständlich für unsere Ticket-Kassen.
Aber das allein wäre uns zu wenig.
Entscheidend ist für uns, was bleibt.
Die Grüne Achse vom Bahnhof bis zur Gartenschau ist deutlich aufgewertet – mit Blühstreifen, neuen Sitzecken und Gestaltungselementen.
Der Lunapark ist aus dem Dornröschenschlaf geholt und mit ihm Tüffers Garten mit der neuen Gastronomie zum neuen Ausflugsziel geworden.
Die Gartenstadt ist mit Wegen, Straßen und öffentlichem Grün erschlossen und wird nach der Gartenschau zu unserem schönsten Stadtteil – mit einem klaren Anspruch: ökologisch, durchdacht, zukunftsfähig.
Wir setzen hier auf das Prinzip der Schwammstadt.
Regenwasser wird nicht einfach abgeleitet, sondern genutzt, gespeichert, verdunstet. Das verbessert nicht nur das Stadtklima spürbar, sondern sorgt auch für attraktives Grün zwischen den Häusern.
Die Ohne wurde aus ihrem künstlichen Bett befreit. Sie hat wieder Raum. Und mit ihr ein ganzes Stück Landschaft, das jetzt für die Menschen auch zugänglich ist.
Auch Geschichte ist sichtbar geworden: Die Wüstung Kirrode, von den Archäologen erst freigelegt und dann gesichert, ist nun eine Freiluft-Ausstellung, die bleibt.
Und überall gibt es neue Wege, Plätze, Spiel- und Sportflächen.
Das sind keine kurzfristigen Effekte.
Das ist Stadtentwicklung.
Es war immer das Ziel der Stadt, nachhaltige Projekte umzusetzen.
Nicht nur Gartenschau für sechs Monate, sondern Mehrwert für alle Gäste, die sich für das Thema Garten interessieren - und Mehrwert für die Bewohner der Stadt Leinefelde-Worbis, die das große Projekt mitgetragen haben.
Denn das Projekt umzusetzen, hat unzweifelhaft viel abverlangt, nicht nur den Planern und Ausführenden, sondern auch den unmittelbaren Nachbarn der riesigen Baustellen und allen anderen Bewohnern der Stadt, die zugunsten der Landesgartenschau bei Investitionen in ihren Ortsteilen zurückstecken mussten.
Auch in den kommenden, rund 170 Tagen Gartenschau, wird hier viel passieren.
Es gibt nicht nur das 15 Hektar große Gartenschaugelände, das bewundert werden kann. Wir planen mehr als 1600 Veranstaltungen, die den Besuchern ohne Aufpreis auf ihr Ticket angeboten werden. Dazu zählen Familienfeste genauso wie Rockkonzerte, Workshops, Fachvorträge, Aktionen im Kirchenpavillon und vieles andere mehr.
Höhepunkte sind zum Beispiel ein Drehorgel-Wochenende und eine ganze Woche, in denen Heißluftballons auf dem LGS-Gelände starten und zum traditionellen Ballon-Glühen einladen. Stars wie Christin Stark oder Mickie Krause stehen auf der LGS-Bühne. Und weitere Highlights sind in der Vorbereitung.
Einzigartig ist unser Blumenblock. Denn wir bringen obligatorische Blumenschau nicht, wie sonst meist üblich, ein einer temporären Halle auf dem LGS-Gelände unter. Wir nutzen dafür einen leergezogenen Plattenbau. Das ehrgeizige Projekt, Floristik in Beton-Charme zu inszenieren und mit spannenden weiteren Ausstellungen zu kombinieren, hat es so noch nicht gegeben und wird den Gästen der LGS sicherlich in Erinnerung bleiben.
Und wir können auch mit Stolz über den Zaun der Landesgartenschau blicken. Neue Straßen und Kreisverkehre, der neue Busbahnhof, das sanierte Bahnhofsumfeld, die neue Anbindung des Autobahnzubringers B 247 aus dem Süden an unser städtisches Straßennetz, das neu erschlossene Gewerbegebiet „Milchhof“, das neu gebaute Schulzentrum St. Elisabeth – all dies hätte es ohne Gartenschau vielleicht nicht gegeben.
Auch die großen Wohnungsgesellschaften ziehen mit und sorgen dafür, dass der vielfach preisgekrönte Leinefelder Stadtumbau, der gleich nach der Wende mutig mit Rückbau, Umbau und Neubau in gestartet wurde, jetzt in seine zweite Phase geht.
Mit rund 30 Millionen Euro Fördermitteln für die Gartenschau und 20 Millionen kommunalem Eigenanteil sind am Ende weit über 100 Millionen Euro Investitionen angeschoben worden.
Das zeigt, was möglich ist, wenn man ein Ziel konsequent verfolgt.
Und ich bin überzeugt:
Dieses Ergebnis kann sich sehen lassen.
Ich lade Sie ein, sich nach unserem offiziellen Teil selbst ein Bild zu machen und sich eine der Führungen übers Gelände anzuschließen.
Vielen Dank!
