Lernen, ausprobieren, staunen: Das Grüne Klassenzimmer der Landesgartenschau Leinefelde-Worbis ist erfolgreich gestartet. Gestern fand auf dem Gelände der erste Kurs mit den Thüringer Landfrauen statt. Unter dem Motto „Vom Leine-Schaf zur Socke“ wurde eine alte Eichsfelder Tradition lebendig. Kinder und Jugendliche konnten anschaulich erleben, welchen Weg Schafwolle nimmt, bevor aus ihr ein fertiger Strumpf entsteht. Vom Rohmaterial über das Waschen und Kämmen bis zum Spinnen eines Fadens wurde regionale Handwerkskunst greifbar gemacht.
„Am Montag ging es um die Wollverarbeitung. Schafwolle wird gewaschen, gekämmt und zu einem Faden gesponnen. Das ist ein sehr altes Handwerk und erfordert Geschick“, erklärte Landfrau Astrid Markgraf. Aus der Wolle entstünden ganz verschiedene Kleidungsstücke, in diesem Fall seien die Socken als anschauliches Beispiel gewählt worden.

Die Worbiser Landfrauen zeigten dabei nicht nur alte Techniken, sondern vermittelten auch, wie viel Wissen, Geduld und handwerkliches Können in der Verarbeitung von Wolle stecken. Zwischen Spinnrad, Wolle und vielen praktischen Eindrücken wurde deutlich: Bildung auf der Landesgartenschau findet nicht nur im Zuhören statt, sondern vor allem im Mitmachen.
Für die Landfrauen war es der erste Einsatz auf der Landesgartenschau. Der Auftakt verlief nach Einschätzung von Astrid Markgraf rundum gelungen. „Alles hat wunderbar geklappt, die Kinder haben gut mitgemacht und die Erzieher haben sich recht herzlich bedankt“, sagte sie. Auch andere Besucher hätten sich sehr interessiert an der Präsentation gezeigt.
Bereits jetzt ist das Interesse am Grünen Klassenzimmer groß. Mehr als 150 Voranmeldungen liegen derzeit für die buchbaren Kursangebote vor. Das zeigt, wie stark das Bildungsprogramm von Kindergärten, Schulen und weiteren Einrichtungen angenommen wird. Die Landesgartenschau wird damit nicht nur zum Ort für Gartenkunst, Kultur und Begegnung, sondern auch zu einem Lernort unter freiem Himmel.
Natur, Handwerk und Nachhaltigkeit zum Anfassen

Das Grüne Klassenzimmer richtet sich an Kindergartengruppen und Schulklassen. Im Mittelpunkt stehen Naturerfahrung, Nachhaltigkeit, Umweltbildung, regionale Themen und praktische Wissensvermittlung. Die Kurse greifen Fragen auf, die Kinder unmittelbar erleben können: Wie funktioniert ein Ökosystem? Warum sind Bienen so wichtig? Welche Tiere leben in kleinen Biotopen? Welche Rolle spielen Pflanzen im Klimawandel? Und was lässt sich aus Naturmaterialien gestalten?
Schon in den nächsten Tagen geht es mit vielfältigen Angeboten weiter. Auf dem Programm stehen unter anderem „Ökosystem Wald – Alles andere als öde“ mit dem Alternativen Bärenpark Worbis, „Kleinbiotope in Naturgärten“ mit dem NABU Obereichsfeld, „Die Welt der Bienen entdecken“ mit dem Eichsfelder Imkerverein, „Workshop VIA NATURA 2000“ mit der Wildtierland Hainich gGmbH sowie „Gestalten mit Naturmaterial“ und „Herz, Hand und Verstand“ mit der Bildungs- und Ferienstätte Eichsfeld.
Auch die Stadtbibliothek Leinefelde-Worbis bringt sich gemeinsam mit dem Fachamt ÖTK in das Programm ein. Beim Angebot „Komm, wir entdecken die Welt der Insekten“ gehen Kinder mit einer Vorlesegeschichte, einer Entdeckertour und spielerischen Elementen auf Spurensuche in die Welt der kleinen Krabbler.
Vom Mittelalter bis zum Klimawandel

In den kommenden Wochen wächst die thematische Bandbreite weiter. Am 4. Mai steht die Wüstung Kirrode im Mittelpunkt. Dabei lernen die Teilnehmenden eine fast vergessene mittelalterliche Siedlung im Eichsfeld kennen. Am 5. Mai folgt mit „Die Rückkehr der drei großen Beutegreifer“ ein Kurs über Bär, Wolf und Luchs sowie deren Bedeutung im ökologischen Gleichgewicht. Ebenfalls am 5. Mai wird bei „Kleinbiotope in Naturgärten – Wir bauen ein Sandarium“ praktisch gezeigt, wie Lebensräume für Wildbienen entstehen können.
Weitere Angebote widmen sich unter anderem Naturmaterialien, Erlebnispädagogik, Wasser als Quelle des Lebens, Rohstoffen im Smartphone sowie Pflanzen als Teil der Lösung im Klimawandel. Damit verbindet das Grüne Klassenzimmer klassische Naturkunde mit aktuellen Zukunftsfragen und regionalen Bezügen.
Mit dem gelungenen Auftakt durch die Thüringer Landfrauen ist ein lebendiger Start gelungen. Das Grüne Klassenzimmer zeigt schon in den ersten Tagen, wofür dieses Bildungsformat steht: Wissen wird nicht abstrakt vermittelt, sondern begreifbar, anschaulich und nah an der Lebenswelt der Kinder.
