Leinefelde. Der Nachmittag ist für Ruben Vits oft die schönste Zeit auf dem Gärtnermarkt. Wenn die Gäste in aller Ruhe zwischen Pflanzen, Keramik, Hüten und den kulinarischen Angeboten entlangschlendern, kommt man schnell miteinander ins Gespräch. Manchmal genügt dafür schon ein augenzwinkernder Satz: „Ihr seht aber durstig aus – kommt, ich geb’ einen aus.“ Aufdringlich klingt das bei Vits nicht. Eher wie eine Einladung, kurz stehen zu bleiben, zu probieren und vielleicht etwas Neues über Wein zu erfahren.

Ruben Vits aus Rheinland-Pfalz gehört zu dem Team, das den Weinstand auf dem Gärtnermarkt der Landesgartenschau betreut. Über die gesamte Dauer der LGS wechseln sich dort mehrere Kollegen ab und bringen jeweils ihre Erfahrung und Persönlichkeit mit ein. Vits ist derzeit das Gesicht hinter der Theke und versteht es, Fachwissen und eine angenehm lockere Ansprache miteinander zu verbinden. Der Weinstand selbst bleibt noch bis zum Ende der Landesgartenschau für die Gäste geöffnet. Vor ihm stehen Weiß-, Rot- und Roséweine, Seccos, Liköre und weitere Spezialitäten. Hinzu kommen alkoholfreie Alternativen, die nach seiner Erfahrung immer stärker gefragt sind. Das Sortiment reicht von lieblich über feinherb bis trocken und bietet damit sowohl erfahrenen Weinfreunden als auch Neugierigen reichlich Gelegenheit zum Entdecken.
Probieren statt einfach nur kaufen
Dabei geht es am Stand ausdrücklich nicht um den schnellen Flaschenverkauf. Wer hier vorbeischaut, darf zunächst probieren, fragen und vergleichen. Erst danach kann bestellt werden. Und während andernorts vieles längst digital funktioniert, wird bei Ruben Vits noch ganz klassisch mit Stift und Papier notiert.
Das passt zu seiner Vorstellung davon, wie Wein verkauft werden sollte. Im Mittelpunkt stehen nicht Bestellnummern, sondern Menschen. Vits nimmt sich Zeit, fragt nach Vorlieben und versucht herauszufinden, was zum jeweiligen Geschmack passen könnte. Am Stand wird unkompliziert geduzt. Die Atmosphäre ist locker, die Beratung dennoch fachkundig und ernsthaft.
Gerade diese Mischung kommt bei den Gästen gut an. Viele bleiben nicht zufällig stehen, sondern suchen den Weinstand ganz bewusst auf. Manche kennen ihre Lieblingsrebsorte genau, andere möchten einfach einmal etwas Neues probieren. Vits begegnet beiden mit derselben Aufmerksamkeit. Sein umfangreiches Fachwissen vermittelt er ohne große Fachsimpelei, dafür mit vielen praktischen Erklärungen und einer gehörigen Portion Humor.
Rheinhessische Tradition und internationale Akzente

Hinter dem Angebot steht das Weinhaus E. Maria Gerhardt aus Bornheim in Rheinhessen. Die Weinbautradition der Familie reicht bis ins Jahr 1684 zurück und wird inzwischen in zehnter Generation fortgeführt. Den Schwerpunkt des Sortiments bilden rheinhessische Weine. Ergänzt wird das Angebot durch ausgewählte Spezialitäten, unter anderem aus Italien und Frankreich, sowie Sekt, Secco, Liköre und Spirituosen. Auch alkoholfreie Weine und Seccos haben inzwischen ihren festen Platz gefunden.
Das Unternehmen setzt seit vielen Jahren auf den direkten Kontakt zu seinen Kunden und präsentiert seine Produkte unter anderem auf Messen, Gartenschauen und an weiteren besucherstarken Ausflugszielen. Verkostung, persönliche Beratung und anschließende Bestellung gehören dabei zum Konzept.
Auf dem Gärtnermarkt in Leinefelde funktioniert dieser persönliche Ansatz besonders gut. Wer sich für Wein interessiert, kann sich durch unterschiedliche Geschmacksrichtungen probieren und dabei ganz nebenbei einiges lernen. Dass sich Trinkgewohnheiten verändern, erlebt Vits unmittelbar. Die klassische Vorstellung vom kräftigen Rotwein im Winter und leichten Weißwein im Sommer habe längst an Bedeutung verloren. Besonders Rosé werde derzeit unabhängig von solchen alten Regeln sehr gern gewählt.
Und auch alkoholfreie Varianten werden zunehmend selbstverständlich nachgefragt. Dass dieses Segment wächst, bestätigt auch das Weinhaus selbst: Mittlerweile gehören mehrere alkoholfreie Weine und Seccos zum Sortiment.
Für ein paar Monate Nachbar des Gärtnermarktes

Für die Zeit seines Einsatzes bei der Landesgartenschau hat Ruben Vits auch in Leinefelde ein Zuhause gefunden. Er wohnt im Wohnblock der WVL gleich gegenüber des Gärtnermarktes. Der kurze Arbeitsweg könnte damit kaum komfortabler sein. Das Gebäude fällt zudem durch sein großformatiges Fassadenbild schon von Weitem ins Auge.
So ist Vits für einige Monate nicht nur Weinfachmann auf dem Markt, sondern ein Stück weit auch Nachbar geworden. Und vielleicht ist genau das bezeichnend für seinen Stand: Hier geht es weniger um anonyme Verkaufsabwicklung als um Begegnung. Um ein Glas zum Probieren, eine Empfehlung, einen lockeren Spruch und manchmal auch ein längeres Gespräch.
Wer den Gärtnermarkt besucht, muss also keineswegs bereits Weinkenner sein. Neugier reicht völlig aus. Den Rest erklärt Ruben Vits gern persönlich.
Der Gärtnermarkt befindet sich direkt vor dem Blumenblock und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet (bei Sonderveranstaltungen länger). Da er außerhalb des kostenpflichtigen Gartenschaugeländes liegt, kann er kostenfrei und ohne Eintrittskarte besucht werden.
